Hallenbike Poppenhausen – Das 48h Kilometerfressen 2011
23.03.2011 21:25 von Jörg Vossbrink
Es ist vollbracht, eines der ungewöhnlichsten Radrennen in Deutschland wurde am letzten Wochenende zum 9. Mal in Poppenhausen verspeist.
Hallenbike, was ist das? Nun man nehme:
- eine Turnhalle
- 23 baugleiche Rollen
- 23 Mannschaften, bestehend aus 8 Verrückten plus einem Ersatzfahrer
- laute Musik
- ein langes Wochenende
- Berge an Bananen
- Schweiß
- Brennende Oberschenkel
- vollständige Selbstaufgabe
Das Ganze wird dann würzig-sauerstoffarm in den Rhöner Spätwinter eingerührt und unter großer Beteiligung der Poppenhäuser Bevölkerung an die überregionalen Radverrückten verfüttert.
Und wir waren dabei. Am Freitagnachmittag trafen sich Auftaktfahrer um halb Vier in der Halle um den Festschmaus zu eröffnen. Die Regeln waren einfach: Sattel einstellen, warmfahren, Punkt 16 Uhr losfahren, volle Kanne rein treten und eine lange Stunde kurbeln bis man die eigene Frau nicht mehr erkennt. Punkt 17 Uhr wird dann vom Rad gefallen, dem Nachfolgefahrer noch ein aufmunterndes „Hau rein, du machst sie alle fertig“ ins Ohr gehustet, sicher gestellt, dass der Sattel neu justiert wird, während der neue Delinquent bereits Kampffühlung aufnimmt um dann den köstlichen Nachgeschmack des ersten Hallenbikegangs noch einmal auf der Zunge zergehen zu lassen. Nun hat man lange 7 Stunden Zeit um sich frisch zu machen, dem Alltag (oder des Nachts auch einmal punktuell dem Schlaf) nachzugehen und die neue Köstlichkeit der zweiten Schicht vorzubereiten.
Um 24h durfte ich dann endlich wieder nach Herzenslust zuschlagen, hmm lecker der zweite Gang schmeckt ähnlich delikat wie der erste. Aber die halluzinogenen Zustände werden intensiver, der Sauerstoffgehalt der Halle ist bereits im freien Fall. Um 1 Uhr ist das Menü aufgegessen, auf einen Nachschlag verzichte ich in diesem Moment gerne. Es gibt ja schließlich noch 4 Mal was zu spachteln. Mir wird klar, dass dieses Wochenende kein Kindergeburtstag wird, eine Woche vorher bin ich noch den Braveheart gelaufen, aber der war nach 3h vorbei. Das Hallenbike ist da eine ganz andere Hausnummer.
Die Nacht wurde kurz, der Schlaf spärlich und pünktlich um 7:30 ging es wieder in die Halle, Rainer und Sabine waren gerade auf volle Betriebstemperatur hochgefahren, da haben wir sie nicht gestört sondern sie den Genuss der vollen Stunde auskosten lassen. Und wieder eine Stunde die Lichter ausgeblasen, volle Kanne bis ich Gadafi für einen lupenreinen Demokraten gehalten habe.
Und so nahm das Hallenbike seinen Lauf um sich dem spektakulären Finale am Sonntagnachmittag zu nähern. Die letzte Stunde bebte die Halle, pickepacke voll wurden die eigenen Fahrer in das Ziel gebrüllt. Und wie! Die Männer kurbeln (eigentlich kurbelt in dem Moment nur Rainer) in einem packenden Finish auf Platz 3 während die Frauen triumphal sich mit großem Vorsprung den Gesamtsieg in der Frauenwertung sichern. Olli Ballweg wurde zudem bei den Einzelfahrern 2., Verena Müller drittbeste Frau. Ein klasse Ergebnis für die Hobbyradler.
Oh man, das Hallenbike war ein Festmahl, welches seinesgleichen sucht. Rustikale Rhöner Schärfe, gnadenloser Sauerstoffmangel und ein großartiges Mannschaftsgefühl machen die Veranstaltung so einmalig.








































