ANDALUSIEN - Eine Woche „Bicycle Holidays"

 

11.600 Kilometer mit dem Rad durch Andalusien - Siggis Hobbyradler vom 24. Februar bis zum 3. März 2009 zum 2. Mal im Bike-Camp Max Hürzeler (Roger Graf) in Chiclana, Novo Sancti Petri 

 

organisiert von Siggi Seng, Radsporthaus Seng, Petersberg-Stöckels.

 

(Reisebericht von H.Gerhold; Künzell)

 

Einleitung 

Rechtzeitig vor Beginn der Rennradsaison knüpften 32 Hobbyradler ausgehend vom Radsporthaus Seng an die Radsporterlebnisse des zurückliegenden Jahres an und erradelten 56 Tage nach Jahresbeginn in einer Woche 11.600 Kilometer in Andalusien. Bereits vor einem Jahr reisten knapp 30 Radler als Gruppe zum ersten Mal zum Bike-Camp Max Hürzeler, um hier für eine Woche ihre Kondition für die Saison 2008 aufzubauen und sich darüberhinaus Anregungen für die Fahrten im hessischen Bergland, zwischen Rhön und Vogelsberg zu holen.

Start war am Dienstag, den 24.Februar 2009 um 8.30 Uhr in Stöckels vor dem Radsporthaus Seng - Rückkehr am Mittwoch, den 4.März 2009 gegen 1.00 Uhr.

Der Standort des Camps ist Novo Sancti Petri, Nahe Chiclana, ca. 50 km südwestlich von Jerez.

Für einige Trainingsteilnehmer war es auch die perfekte Vorbereitung für den eine Woche später stattfindenden Hallen-Bike-Special in Poppenhausen (s.d.).

An jedem Tag stand ein ausgefeiltes Tourenprogramm für unterschiedliche Leistungsgruppen unter fachmännischer Führung zur Verfügung. Für Individualtouren gab es jederzeit zusätzlich Möglichkeiten. Besondere Highlights waren eine ca.120-Kilometertour von Gibraltar nach Novo Sancti Petri und eine Individual-Tour zum südlichsten Ort Europas, Tarifs, und zurück über 175 Kilometer, mit Blick auf die Bergsiluette Nordafrikas.

Unter dem Strich konnten alle auf eine ausgefüllte Radelwoche bei bester Verpflegung und Organisation zurückblicken und sind gestärkt für die vor uns liegende Saison.

Markus Heil Ewa Hädrich Alfred und die Mädels Marianne


Tag 1: Dienstag, 24.Februar 2008

Pünklich um 8.30 Uhr starteten wir an diesem Tag Richtung Frankfurt, von dort aus sollte dann gegen Mittag unser Flieger nach Jerez starten. Nachdem wir unterwegs Werner und Rainer aufgenommen hatten  kamen wir auch pünklich am Flughafen an. Während der Gepäckaufgabe allerdings deutete sich schon an, dass unser Flieger beim Anflug nach Frankfurt Probleme bekommen hatte und nach Madrid zurückgeflogen war; somit mussten wir nun auf den nächsten Flieger umbuchen. Gegen 16.00 Uhr dann starteten wir Richtung Madrid und nach Umsteigen dort, kamen wir so gegen 20.00 Uhr in Jerez an. Soweit so gut, wären unsere Koffer doch nur auch dabei gewesen, doch diese konnten wohl in Madrid auf die Schnelle doch nicht umgeladen werden und wir mussten nun verhandeln, wie es weitergehen sollte. Nachdem dann jeder seine Kofferbeschreibung der spanischen Flughafenbediensteten mündlich und durch zeigen auf Bilder diverser Koffertypen abgegeben hatte, konnten wir, wenn auch ohne Koffer, unsere Fahrt von ca. 45 Minuten nach Novo Sancti Petri antreten. Dort erwartete uns dann, obwohl die Abendessenszeit längst vorbei war, ein ausreichendes Mahl zur Stärkung für die Nacht.



Tag 2: Mittwoch, 25.2.2008

Nach verdienter Nachtruhe und anschließendem opulentem Frühstück versuchte nun jeder den vor sich liegenden Tag mit der jeweilig verbliebenen Austattung zum Radfahren zu nutzen: Ein Radtrikot wurde uns vom Veranstalter zur Verfügung gestellt, eine Hose wurde von einigen dazu passend gekauft und wenn man nun das Glück hatte am Vortag in Turnschuhen angereist zu sein, gelang es durch ummontieren der Pedalen von Clickies auf Körbchen so gut wie möglich für die erste Ausfahrt vorbereitet zu sein. Pünklich um 10.00 Uhr war alles vorbereitet - pünktlich um 10.00 Uhr allerdings auch wurden unsere Koffer angeliefert - damit hatte zu dem Zeitpunkt keiner gerechnet. Also zogen wir uns wieder um, auch die Räder bekamen wieder die richtigen Pedalen - und wer nun schnell genug war, hatte die Chance um 10.45 Uhr die erste geführte Tour zu geniessen - ich gehörte dazu. Die perfekte Planung zeigte sich darin, dass um 12.00 Uhr die nächste, wenn auch nicht so lange, Tour starten sollte, also kam jeder auf seine Kosten.
Unsere erste Tour ging auf einer Strecke von 123 km über Barbate Richtung Zahara an der Küste Richtung Süden. Da wir diese Tour bereits vom letzten Jahr kannten, wussten wir, auf welche Streckenabschnitte wir uns besonders freuen konnten, dazu gehörte in jedem Falle am Ende der Tour die kleine Bergwertung hinauf nach Vejer.

Auch dass wir uns nach diesem ersten Tag auf ein perfektes und reichhaltiges Abendessen freuen konnten, wussten wir noch vom letzten Jahr.

Paul und Andrea Badende


Tag 3: Donnerstag, 26.Februar 2009

Für heute, unseren zweiten aktiven Tag, stand Gibraltar auf dem Programm.

Wie geplant fuhren wir um 9.00 Uhr, nachdem die Räder verladen waren, mit dem Bus nach Gibraltar. 

Kurz vor der Grenze nach Gibraltar startete unsere Tour. Wir unternahmen zunächst einen Abstecher in den 6.500 Quadratmeter großen englischen Stadtstaat in dem ca. 28.000 Menschen leben. Nach kurzer Rast traten wir den immerhin mit 120 km angegebenen Heimweg an; für die "Touren"-Gruppe standen sogar 140 km auf dem Plan, denn hier war ein Abstecher nach Alcala enthalten.

Der Wind wehte sehr stark aus Richtung Südosten für unsere Fahrt an und für sich genau richtig, doch das permanent wellige Relief nordwestlich von Gibraltar mit seinen kurzen anspruchsvollen Steigungen und den entsprechend kurzen aber heftigen Abfahrten forderte uns heraus. Zeitweise war der Wind, insbesomdere wenn er von der Seite kam, unberechenbar und sogar etwas gefährlich. Zur Mittagspause rasteten wir kurz vor Benalup in einer kleinen Straßenbodega.

Vorbei an Vejer fuhren wir zurück nach Novo Sancti Petri und ein ausgefüllter Tag ging zu Ende.

Sir, Yes Sir ! Jürgen Rausch Gruppe am Strand

 

 

Tag 4: Freitag, 27.Februar 2009:

Heute war unser Ziel Medina Sidonia, neben Vejer und Benalup eine weitere "weiße Stadt" maurischen Ursprungs, weithin sichtbar auf einem Berg gelegen.

Der erste Anstieg erwartete uns hinauf nach La Muela. Zunächst fuhren wir wieder Richtung Vejer, dann nach Los Naveros, zu den Stieren, die einmal täglich mit Pferden um die Weide gescheucht werden, um sie für den Stierkampf fit zu halten.

Christine Siggi und Helmut Paul, Hans, Stefan

An diesem Tag waren wir eine sehr große Gruppe mit einigen "fremden" Gästen, so dass die Fahrt recht unübersichtlich wurde, auch merkte man, dass wir in der Woche bereits einige Kilometer zurückgelegt hatten. So ereignete sich dann auch kurz vor Medina der einzige kleine Unfall unserer Tour; einer der "Fremden" verfing sich mit der Pedale in einem Absperrnetz, welches durch den Wind weit auf die Straße geweht wurde, kam zu Fall und konnte erst nach kurzer Zeit wieder aufstehen und die Fahrt fortsetzen. Hinauf ging es nach Medina unsere Bergwertung für den heutigen Tag. Heute hatten Paul und ich die Aufgabe übernommen, ganz hinten zu fahren, das Feld zusammen zu halten und natürlich aufzupassen dass niemand verloren ging. Bei der Auffahrt nach Medina hatten wir uns wohl nicht richtig abgesprochen und als wir oben ankamen fehlte Alfred.

Zurück in Novo Sancti Petri drehten wir noch einige der 6 km-Runden "um den Golfplatz", so dass für die Siegerehrung am Montag etwas mehr Kilometer auf den Tacho kamen. Natürlich gab es auch andere Möglichkeiten, die Tachoangaben zu schönen, so beobachten wir im Fahrradkeller eines Nachmittags, wie Marianne, das Vorderrad ihres Fahrades hochgebockt hatte und permanent in Bewegung hielt.     

Gerhard Werner Alois 3 Damen

Tag 5: Samstag, 28.Februar 2009:

Der Samstag war ofiziell unser trainingsfreier Tag. Gleichzeitig war es aber auch der Tag, an dem wir als "Siggi's Hobbyradler" ausschließlich für uns etwas unternehmen konnten, also auch nicht unbedingt der Tag für einzelne Sondertouren. Ausgerechnet heute war das Wetter nicht optimal, so dass wir unsere dennoch geplante Ausfahrt etwas verschieben mussten, die Fahrt ging dann nach Chiclana zunächst in eine Bodega, die einige von uns im letzten Jahr ausgekundschaftet hatten. Heute war Karneval in Spanien und dementsprechend war an diesem Samstag hier ganz schön etwas los. Wir stärkten uns mit diversen Tapas und ausgewählten Sherry-Proben, bevor wir weiterfuhren, um die örtliche Radrennbahn zu besichtigen und auszuprobieren, aufgrund der Feuchtigkeit auf der Strecke war ein befahren leider nicht möglich.

Zurück in Novo Sancti Petri standen dann nochmal einige Runden um den Golfplatz auf dem Programm, so dass auch heute wieder über 80 Trainingskilometer zusammen kamen.  

Mädels in Bodega Siggi und die Mädels Ottmar

Tag 6: Sonntag. 1.März 2009:

Seit einigen Tagen ging mir der Plan durch den Kopf, mit dem Rad zur südlichsten Spitze Europas zu fahren, nach Tarifa. Tarifa ist ungefähr 80 Kilometer von hier entfernt und mit etwas Disziplin hin und zurück durchaus erreichbar. Der Wind sollte nicht zu stark wehen und gesundheitlich sollte man an diesem Tag auch fit sein, außerdem war zu überlegen in welcher Konstellation man sich auf den Weg begeben sollte. Sehr früh eingeweiht hatte ich meinen Zimmernachbarn, Wolfgang Illik, er hatte sofort Interesse, allerdings auch etwas Respekt vor der Strecke. Manfred Müller ist für ungewöhnliche Herausforderungen immer zu begeistern, also war er der nächste Kandidat. Zu viele Teilnehmer sollten es auch nicht sein, denn ein Auseinanderreißen der Truppe wollten wir auf keinen Fall. 

So einigten wir uns dann Samstagabend darauf, am nächsten Morgen um 9.00 Uhr zu starten, wir hatten also noch Zeit genug zum Frühstücken und für sonstige Vorbereitungen. Letztlich ging es um 9.30 Uhr los. Wir fuhren zunächst Richtung Vejer, dann auf der Landstraße direkt Richtung Süden, der Wegweiser hinter Vejer zeigte noch 40 Kilometer Distanz nach Tarifa an, 30 Kilometer waren bereits zurückgelegt. Um die Fahrt noch zu beschleunigen, schlug Manfred den "belgischen Kreisel" vor: Wir fuhren dicht hintereinander und immer nach ca. 500 Metern übernimmt der nächste die Führung, wobei sich der erste an die letzte Position zurückfallen läßt. Durch Manfreds Vorschlag sollten wir eigentlich Kraft einsparen, allerdings war das Gegenteil der Fall, da wir die Geschwindigkeit von ca. 30 km/h auf fast 40 km/h steigerten. Nach kurzer Zeit kamen wir an die Abzweigung nach Zahara, in diese Richtung sollte später die Rückfahrt erfolgen.

Die enorme Anzahl der Windräder in dieser Gegend machte deutlich, dass wir sehr starken Rückenwind hatten, was Realisten dann natürlich mit Respekt an die Rückfahrt denken läßt.

Gruppe1 Wolfgang und Helmut Manfred Thomas Sebastian

Ca. 20 kilometer vor Tarifa sollte es eine Abzweigung in westliche Richtung geben, auf der man über etwas längere Wegstrecke deutlich schöner nach Tarifa gelangen sollte. Wir wählten diese Alternative und dankten in Gedanken unserem Guide Willi für diesen Tipp.

Wolfgang stellte sich als extrem aufmerksamer und kritischer Kartenleser heraus, ohne ihn wären wir sicher nur auf noch größeren Umwegen zum Ziel gekommen. Unser Ziel, um 13.00 Uhr in Tarifa zu sein, konnten wir nicht ganz einhalten. Wir hatten inzwischen 91 Kilometer zurückgelegt. Nach verdienter Pause ordentlichem Mittagsmahl und verdientem Getränk, traten wir gegen 15.00 Uhr die Rückfahrt an. Nach einer guten Stunde kamen wir wieder an den Punkt unserer Abzweigung, kurz vorher begegnete uns noch ein Trainingsfahrer des RC 07 Fulda und auch genau hier verdunkelte sich der Himmel schlagartig, mit Regenjacke fuhren wir weiter, als der Regen versprach etwas heftiger zu werden legten wir eine kleine Zwangspause ein, um uns dann nach ca. 45 Minuten wieder auf den Weg zu begeben. Von nun an ging die Tour ohne Abzweigung nach Zahara direkt wieder über Vejer zurück nach Novo Sancti Petri. Pünklich zum Sonnenuntergang, kurz nach 19.00 Uhr fuhren wir bei herrlichen Lichtverhältnissen nach Hause, glücklicherweise trafen wir Willi vor dem Hotel, er hatte einen Schlüssel zum Keller, denn die Fahrradstation war inzwischen schon geschlossen.

Nach diesem erfüllten Tag (175km) genossen wir das Abendessen und danach noch einige Erfrischungen, bevor wir in unsere Betten fielen.

 

Tag 7: Montag, 2.März 2009:

Für heute, eigentlich unseren letzten Radeltag war Dauerregen angesagt. Während wir noch gestern durch geschickte "Boxenstopps" trocken nach Hause kamen, war heute trocken nichts möglich. Da an diesem Tag abends die Siegerehrung anstand, sind einige von uns trotz Regen, die schon mehrfach genannte "Golfrunde" gefahren, so kamen nocheinmal einige Kilometer zusammen.

Markus und Silke Gisela

Die Siegerehrung brachte es dann ans Licht:

Jürgen Rausch hat mit 915 die meisten Kilometer zurückgelegt, gefolgt von Hans Link (856), Manfred Müller (661), Helmut Gerhold (651), Stefan Steinmetz (642) und so weiter.

Ein Lob ging an unsere nicht- oder wenig radelnden Damen, Judith, Renate, Uschi und an die viel radelnden Damen, Ewa, Silke, Marianne, Gisela, Andea L., Andrea W., Renate, Brigitte und Christine.

Als Pechvögel, aufgrund von Erkrankung, bzw. Sturz, wurden Armin, Thomas und Silke mit einem Trostpreis geehrt.

Besonders hervorgehoben wurden natürlich auch unsere zwei RüRes (rüstige Rentner), Alfred und Alois, die zusammen auch fast 800 Kilometer zurückgelegt haben.

Besondere Lob von uns natürlich an das Team Roger Graf und an Siggi und Christine für die perfekte Organisation!

 

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Tobias Scheller schrieb am 20. Juni 2009 um 23:08 Uhr
Hallo Helmut,
wiedermal ein super Bericht von dir.
Hattest du eigentlich die Touren mit deinem Garmin aufgezeichnet ?
Wenn ja, dann kannst du sie ja mal ins Tourenarchiv hochladen.
Gruß,
Tobi
 

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