Mountainbike-Paradies Piemont 2007

(Erlebnisbericht von Helmut Gerhold, Künzell)

Reise vom 23.Juni 2007 bis 30.Juni 2007, organisiert von Siggi Seng, Radsporthaus Seng, Petersberg-Stöckels.

Vorbereitung

Einmal eine größere Mountainbike-Tour in den Alpen mitmachen; es muss ja nicht gleich eine einwöchige Alpenüberquerung von Mittenwald nach Riva sein, aber . . . .

Für einen interessierten Radler, der aber im Wesentlichen keinerlei Rad-Team-Erfahrungen hat und seine Touren bisher (seit ca. 20 Jahren) meist allein gefahren ist – ein Wunschtraum, aber ein erfüllbarer Wunsch.

Im Oktober 2006 bin ich zum Hobbyradlerteam von Siggi Seng gestoßen, im laufenden Jahr erstmalig Rhön-Radmarathon und einen Schnitt von 100 Rad-Kilometern/Woche gefahren.

Radtechnisch auch nicht sehr schlecht ausgerüstet nahm ich die Herausforderung an, im Juni 2007 am Bike-Camp-Piemont teilzunehmen. Kleinere Hürden (wie sag ich’s meiner Frau, usw.) wurden genommen, also stand nichts mehr im Weg. Bin von Natur aus eher etwas vorsichtig, also musste ich üben: mit Bruno (unschlagbarer Meister im Bergabfahren) und Rainer (Brunos Bruder, absolut MTB erfahren, kennt tolle Strecken in der Rhön) wurde am Haunestausee geübt. Die Angst vor steilen Abfahrten wich erlernter Erfahrung und mehr Trainingsgewohnheit. Als ich das erste Mal die wirklich sehr steile und etwas unübersichtliche Abfahrt zum See und auch die parallel zum Bahndamm (Insider kennen diesen Trail) zum wiederholten Male geschafft habe, stand der Herausforderung „Piemont“ nichts mehr im Weg.

Das geeignete Giant-Bike stellte Christoph zur Verfügung. Blieb nur noch die leichte Unsicherheit: kann ich mit den anderen Teilnehmern (Siggi und Christine Seng, Bruno Busch, Ingo Rippert, alle deutlich erfahrener, usw.) mithalten.

Tag der Abreise: Samstag, 23.Juni 2007

Die Abreise war für pünktlich 0.00 Uhr am Samstag, den 23.Juni 2007 geplant. Vorher um 19.00 Uhr wurde das Gepäck bereitgestellt, die Technik und der Werkzeug- und Ersatzteilvorrat nochmals überprüft. Siggi beschriftete alle losen Gegenstände wie Getränkeflaschen und Schutzbleche.

Bruno hatte den Karnevalsbus vom FC Fulda organisiert, der mit Heckgepäckträger und großem Stauraum Räder, Gepäck und uns Fünf aufnehmen konnte. Mit diesem Bus kamen wir deutlich schneller vorwärts, als wenn wir ein kleineres Exemplar mit Anhänger benutzt hätten. Es gestaltete sich auch so, dass Siggi und Bruno unermüdlich mit maximal möglicher Geschwindigkeit dem Ziel entgegen fuhren. Morgens gegen 7 Uhr passierten wir die Schweizer Grenze und dann bei Como die italienische. Über den San Bernardino ging es Richtung Turin und nun in die Berge, Dronero gilt als das Tor zum Piemont. So ging es los.

Ankunft:

Wir fanden unseren „Urlaubsort“ auf Anhieb und waren sofort verliebt in diesen kleinen malerischen Ort, der im wesentlichen aus dieser Pension und einer kleinen Poststation bestand.
Entsprechend dem Motto: “Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“ waren wir begeistert und benötigten keine zweite Chance. Wir lernten sofort Lukas, Tamara, Peter und die Pensionscrew kennen.
Der erste Hunger wurde durch eine paradiesische Pasta gestillt – die Lust auf kühle Flüssigkeit durch einen (oder mehrere) gigantisch guten Prosecco (und natürlich auch viel Wasser). Die Zimmer wurden bezogen, ich teilte mir mit Bruno und Ingo ein Dreibettzimmer, Christine und Siggi kamen in das Doppelzimmer.

Erste Tour

Kaum angekommen und Quartier markiert, ging es zur ersten Ausfahrt, nicht weit, auch keine bedeutenden Höhenmeter, aber einige Herausforderungen:

Von unserem Domizil Vernetti ging es über Brieis, Borgata superior nach Reinero: Treppenstufen runter, Single-Trail bergab durch unübersichtliche Graswege – meine ersten kleinen Verweigerungen!

Zum Schluss, nach ca. 15 km und ca.250 hm noch mal quer durch unseren Ort und den später vertrauten Abkürzungsweg hinab zur Hauptstraße – dann natürlich wieder den gleichen Weg bergauf – ich war das erste Mal völlig fertig!

Zur Belohnung standen für uns im „zu Hause“ scheinbar unbegrenzte Mengen unseres geliebten Proseccos gut gekühlt bereit, dessen Vorrat wir auch bereit waren kontinuierlich zu dezimieren. Nicht zu vergessen natürlich das tolle, ebenfalls immer gut gekühlte Flaschenbier aus Dronero.

Je nachdem, wie viel Zeit bis zum Abendessen blieb, welches IMMER! um 20.00 Uhr für ALLE! Pensionsgäste in synchroner Abfolge zelebriert wurde, war noch etwas Zeit für ein geruhsames Schläfchen. Nur heute, am ersten Tag nicht. Für die Zeit bis zum Abendessen konnten wir uns durch den Tourbericht Wien-Nizza von Lucas Stöckli auf die Alpen einstimmen.

Nach dem Essen fielen wir in unsere Betten und schliefen so tief wie wahrscheinlich noch nie.

 

Tag 2: Sonntag, 24.Juni 2007

Der zweite Tag unseres Piemont-Trainings-Camp sollte die größte Herausforderung unserer Tour werden.

Nach ausgiebigem Frühstück und Packen unserer Rucksäcke für die erste größere Tour ging es los: Zunächst mit dem Bus nach San Damiano Macra, von dort talabwärts auf Landstraße bis Dronero, dann links ab in die Berge. Aus bisher unerfindlichen Gründen hatte ich mir nur EINE Wasserflasche mitgenommen (wahrscheinlich, um Gewicht zu sparen?!?), auf jeden Fall war diese bereits nach wenigen Kilometern leer. Glücklicherweise brachte ein Brunnen, von denen es im besiedelten Bereich einige gibt, den nötigen Austausch. In den Bergen findet man derartige Erfrischungen nicht!

An diesem Tag hat uns Lukas Stöckli gezeigt, dass Mountainbike fahren im Piemont nichts mit einer Rhön-Cup-Familientour gemeinsam hat – hier kommt man nur weiter, wenn man bereit ist, alles, was der Körper hergibt, zu investieren, und selbst das reicht nicht!

Getreu dem Motto: „Guide befiehl – wir folgen“, erklommen wir Höhenmeter auf Höhenmeter in dieser unwegigen Gegend. Angeblich sollten wir belohnt werden mit phantastischen Abfahrten, sobald wir den Gipfel erklommen hätten. Ob Waldbrände im Frühjahr, die den Weg unkenntlich, bzw. unpassierbar machten, Schuld hatten, oder ob es einfach nur ein Coaching-Trick von Stöckli war – wir wissen es bis heute nicht. Zitat Siggi: „Wenn wir die Räder diesen Berg wieder runter tragen müssen, reisen wir morgen wieder ab!!“

Das war wohl das Stichwort für Lukas, uns beizubringen, wie man solche Strecken bergab im Fahren bewältigt – und es hat funktioniert!

Für mich (und wohl auch für alle) war es unglaublich, was man in so kurzer Zeit an Geschicklichkeit und Angstüberwindung, gepaart mit durchschnittlichem fahrerischem Können, erlernen kann – nun traute ich mir radfahrtechnisch alles zu.

Im Anschluss fuhren wir direkt vom Monte San Margherita den „Percorso Occitano“ bis San Damiano Macra zurück. Der Percorso Occitano zieht sich durch die gesamte Gegend und ist als anspruchsvoller, abwechslungsreicher Trail stets zu empfehlen.

Zurück mit dem Bus wieder in unserer Unterkunft angekommen, ging es nach kurzer Erfrischung für eine Stunde ins Bett, um dann zum Abendessen wieder fit zu sein.

Tag 3: Montag, 25. Juni 2007

Mit der positiven Kraft der Erlebnisse des Vortages starteten wir heute Morgen direkt mit den Rädern Richtung Elva. Elva, ein kleiner Ort am nördlichen, also gegenüber gelegenen Hang des Valle Maira über 2000m hoch gelegen. Wir fuhren also zunächst von Vernetti (1223m) hinab ins Valle Maira (944m, Ponte Marmora), von hier noch ca.1km talabwärts, um dann links (Richtung Norden) die „Elva-Schlucht“ heraufzuradeln. Wir wussten, uns stehen 1000 hm am Stück (ca.10km) zu überwinden voraus, d.h.: die warmen Kleider für die Abfahrt durch bein- und armfrei ersetzen, dann möglichst genau und schnell DEN Rhythmus finden, mit dem es gelingt ohne schlapp zu machen in Elva anzukommen, d.h. jeder musste für sich fahren (natürlich in Sichtweite, aber doch allein). Wasser- und Essensvorräte mussten angemessen sein. Irgendwie war dies auch der erste Vergleich unserer Kräfte.
Bruno ist an diesem Morgen schon etwas früher gestartet. Wir kamen schnell ins Schwitzen und fuhren bravourös diese landschaftlich extrem reizvolle Schlucht hinauf - Siggis Höhenmesser ließ Hinweise auf die Länge der Reststrecke zu. Kurz vor Elva hatten wir dann auch Bruno eingeholt und wir konnten dann so ziemlich zeitgleich auf dem Kirchplatz von Elva einlaufen.

Eine kurze Rast sollte wieder Kräfte spenden., auch die Wasserflaschen konnten wieder aufgefüllt werden. Unsere Lunchpakete haben ihre Erwartungen erfüllt: Da wir Vollpension gebucht hatten, mittags aber nie im Quartier waren, bekamen wir auf Bestellung Lunchpakete für unterwegs, die entweder mit Käse, Wurst, Salat oder aber auch mit allem belegt waren. Durch den Transport im engen Rucksack und den Feuchtigkeitsaustausch zwischen Brötchen und Belag gestaltete sich die derartig sehnsüchtig erwartete Nahrungsaufnahme als häufig etwas zäh, aber in jedem Falle kamen so auch die Kaumuskeln auf ihre Kosten.

In Bassura kamen wir dann wieder ins Tal – nun noch einige wenige Kilometer leicht talaufwärts (Hauptstraße) bis Ponte Marmora. Hier, direkt an der Abzweigung nach Vernetti wartete ein kleines Straßencafe auf uns. Wir wussten, dass wir natürlich noch die 200 hm nach Vernetti hinauf mussten, doch die tollen Erlebnisse dieser Tour ließen sich gut bei einem Glas Bier noch mal diskutieren. Da wir allerdings zu jeder bestellten Runde Bier einen Teller mit vorzüglichem frischem Himbeerkuchen bekamen, blieb es nicht bei einem Bier.

Irgendwann hieß es aufbrechen und die letzten km und hm hinauf nach Vernetti - und ich musste mit dem total tief gestellten Sattel, also im Stehen, fahren.

Tag 4: Dienstag, 26.Juni 2007

Am vierten Tag stand die Gardetta-Ebene auf dem Programm. Zunächst ging es mit unserem Bus bis zum Col du Preit (2083m), dann mit dem Rad bis auf 2620 Meter (Rocca Brancia). Es ist ein großer Unterschied, ob man 1000 hm von 0 auf 1000m N.N. oder von 1000 auf 2000m N.N. erklimmt – die Luft ist eben oben doch dünner.

Die Gardetta-Ebene ist ein ca. 2400m hoch gelegenes Hochplateau, eingerahmt von einer Gebirgskrone. Während die eigentliche Ebene noch begrünt ist, gestaltet sich der weitaus größte Teil sehr karg.

Von Vernetti aus fuhren wir morgens um neun Uhr scheinbar unendliche Serpentinen hinauf, bis wir dann unseren Bus am Col du Preit parkten. Die erste Überraschung: es war hier oben deutlich kühler als erwartet und wir sollten noch weitere 600 hm erklimmen. Nach den schönen, erlebnisreichen Anstrengungen vom Vortag eine echte Herausforderung.

Unser „Radweg“ veränderte sich kontinuierlich, von zunächst geteerter Fahrstrecke, hin zu festem Feldweg, der Untergrund wurde immer unbefestigter, die Steine größer.


Erinnerungsfoto
Erinnerungsfoto

Wir sahen Murmeltiere, die sich scheinbar wunderten über das, was wir uns für heute vorgenommen hatten. Die Kleidung auf den Bildern und der Schnee am Wegesrand mag als Temperaturbeweis dienen. Am Rocca Brancia angekommen wurden wir belohnt mit einer herrlichen Aussicht ins Nachbartal Valle Stura.

Nach kurzer Rast und Erinnerungsfoto (und im Hintergrund immer der Monte Viso) ging es wieder teils auf der gleichen Strecke zurück, teils aber auch quer zu den Serpentinen runter auf die Hochebene und dann zum östlichen Gebirgsrand. Irgendwie hatte ich heute das Gefühl, dass alle auf mich warten mussten. Okay: Bruno hat sich noch mehr gequält.

Ein genialer Single-Trail, eine grasbewachsene Hute mit anspruchsvollen, aber überschaubaren Stufen hinunter rundete unsere heutige Tour ab.

Da Bruno wohl noch nicht ganz ausgelastet war, fuhr er mit Rad ins Tal nach Vernetti zurück, wir anderen waren froh, nach dieser ausgedehnten Tour wieder im Bus zu sitzen.

Wir freuten uns auf unser 7-gängiges Abendmenue, welches auch heute wieder, wie jeden Tag als geniale organisatorische Leistung ab 20.00 Uhr zeitgleich für alle ca. 40 Personen Abend für Abend in vergleichbarer Menuefolge zelebriert wurde. Die Abfolge war täglich gleich, unglaublich aber die Vielfalt unterschiedlicher Zusammensetzungen der einzelnen Gänge und alles aus regionalem Anbau/Zubereitung:

Als Starter zunächst eine Portion Pastete, dann gemischter Salat, eine Suppe, Pasta, ein Fleischgericht (2 Dinge zur Auswahl, oder auch beides), ein Nachtisch aus Eis, Kuchen, oder Früchten und im Anschluss rundete ein Cafe das opulente Abendessen ab, so dass sich die Energiespeicher bis zum nächsten Morgen prima wieder aufladen konnten.

Tag 5: Mittwoch, 27.Juni 2007

Zu Tamaras und Stöcklis Bike-Camp-Angebot gehörte auch allmorgendliches „Footing“, dieser Begriff und auch das, was sich dann dahinter verbarg, war für mich insbesondere zu der frühen Stunde unbekannt.

Es handelt sich um einen ausgiebigen Frühsport von 7.00 – 7.45 Uhr, mit kurzem Jogging, Aufwärmübungen und Muskeldehnungen. Neben Tamara und Christine war ich heute der Dritte, der sich nach inzwischen bereits 5 Camp-Tagen der Frühsportgruppe angeschlossen hat. Ich bekam Spaß dabei und war auch an den 2 verbleibenden Tagen dabei.

Als Tour stand heute Punta il Colletto auf dem Programm, eine Gegend etwas östlich von Vernetti. Mit dem Bus fuhren wir zunächst bis San Damiano Macra, der gleiche Ort also, von dem wir auch am Sonntag Richtung Dronero gestartet waren. Heute sind wir bereits in Cartignano Richtung Süden aus dem Valle Maira in die Berge abgebogen. Eine attraktive serpentinenreiche Auffahrt, die immerhin auch ca. 1000 hm bedeutete, forderte uns heraus. Von Saretto am Punta Arpiola (1546m) hatten wir eine tolle Weitsicht über die Po-Ebene. Wir hatten gerade den höchsten Punkt passiert und waren bergab auf einem kurvenreichen Waldweg richtig in Schwung gekommen, da hörte ich, als Fünfter hinter Siggi, Christine, Ingo und Tamara fahrend hinter mir einen lauten Knall. Wenn dieser Knall etwas mit uns zu tun haben sollte, konnte es sich nur um Bruno, bzw. Brunos Rad handeln – und so war es auch: scheinbar unglücklich über einen Stock gefahren, und Schlauch und Mantel waren nichts mehr wert. Glücklicherweise ist Bruno nichts passiert. Aufgrund dieses Reifen-Totalschadens gestaltete sich die Reparatur etwas aufwendig: Da Siggi, Christine und Ingo längst „über alle Berge verschwunden“ waren, konnten wir auf Tamaras Ersatzteilvorräte zurückgreifen: Einen neuen Schlauch hatten wir dabei, doch der Mantel musste provisorisch, wenigstens für die Abfahrt ausreichend repariert werden. Tamara hatte ein größeres Pflaster, welches das Loch einigermaßen zusammenhielt, ein Socken (Marke „Seng“) sorgte für zusätzliche Stabilität. Um dieses Konstrukt zu schonen entschlossen wir uns, wieder den gleichen Weg ins Tal zu wählen, den wir auch aufwärts gefahren sind, dieser war einigermaßen gut befestigt und wir verzichteten auf den unwegigen aber sicher viel attraktiveren Singletrail ins Tal. Eine zusätzliche Entlastung brachte auch noch mal ein Bike-Tausch zwischen Bruno und mir. Somit fuhr ich mit Brunos Rad langsam bergab voraus und Bruno beobachtete lückenlos die Entwicklung „meines“ Hinterrades, Tamara versuchte die Rest-Crew noch zu erreichen.

Als Bruno und ich in Cartignano unversehrt angekommen sind, war auch Siggi wenige Minuten später mit dem Bus da, um uns abzuholen.

In San Damiano trafen wir dann auch auf die anderen, fuhren gemeinsam mit dem Bus zurück ins Quartier und hatten noch einige Reparaturarbeiten auszuführen, bevor wir uns zum Abendprogramm begeben konnten.

Tag 6: Donnerstag, 28.Juni 2007

Er sollte aber auch eine Herausforderung für unseren Gruppengeist werden.

Sechs unterschiedliche Charaktere, die sich teilweise vorher nie gesehen haben, sieben Tage weit weg von zu Hause, einer gemeinsamen Leidenschaft frönen: . . . Radfahren.

  • Siggi, der Macher, Organisator, Perfektionist, der dafür von anderen aber auch Teamgeist, Zusammengehörigkeit und Anerkennung erwartet;
  • Bruno, der radbegeisterte Kämpfer, der kompromissbereit zwischen eigenen Voraussetzungen und der Möglichkeit des Zusammenfahrens/-seins stets mit sich verhandelt
  • Ingo, der Quirlige, Mitteilsame, auf Gerechtigkeit bedachte Pragmatiker.
  • Christine, die Ausgeglichene, die mit Übersicht und weiblichem Gespür versucht die Waagschalen auszugleichen
  • Helmut, der ruhige zurückhaltende, der nicht immer zu erkennen gibt, ob die Ruhe Zeichen von Zustimmung oder Ablehnung ist (nur ich weiß, dass beim Radfahren nur dann Unzufriedenheit aufkommt, wenn ich mit meinen Leistungen nicht zufrieden bin, ansonsten aber fast alles akzeptiere: Wetter, Essen, Gruppe, usw.; Anmerkung des Verfassers).
  • Und Tamara, die uns geduldig auf dem Boden unserer eigentlichen Absichten, nämlich Radfahren, hält.

 

Was geschah? Bereits morgens um 7.45 Uhr, ich kam gerade vom „Footing“ mit Tamara und Christine zurück, kam mir Bruno bereits in voller Radmontur entgegen. Er wusste, heute ging es noch mal unheimlich steil bergauf und er hatte sich „eigenmächtig, ohne Absprache“ vorgenommen, durch einen Vorsprung mit uns zeitgleich am Gipfel anzukommen, usw. . . . . .

An diesem Tag sind wir wieder am nördlichen Hang des Valle Maira Richtung Elva gefahren und von hier einen Höhenweg Richtung Osten, der durch eine für uns ganz andere bunte Blütenwelt des Piemont führte, um dann wieder hinunter in Richtung Bassura ins Tal zu kommen. Die Route war sowohl von Steigung, als auch von Wegbeschaffenheit sehr anspruchsvoll.

Auf dem Rückweg kehrten wir dann noch einmal in „unserem“ Straßencafe ein und erfreuten uns diesmal an frischem Heidelbeerkuchen. Dann ging es wieder hinauf, zurück nach Vernetti.

 

Tag 7: Freitag 29.Juni 2007

 

Für den letzten kompletten Radeltag hatten wir uns eine besonders schöne Tour vorgenommen:

Wir fuhren mit unserem Bus zunächst das Valle di Marmora aufwärts zum Lac Resile, um einige tolle Photos zu machen. Dies war für heute auch der Ausgangsort für unsere Tour. Von hier aus (980m) fuhren wir über den Colle de Esischie (2370m) zum Colle dei Morti (2480m). Hier bewunderten wir das Denkmal für Marco Pantani.

Nach kurzer Pause ging es in herrlicher Abfahrt (geteert) zum Standort unseres Busses. Damit wir zum Abschluss unseres Bike-Camps einen der genialsten Trails des Piemont, den Bassura-Trail – fast 600 hm Single-Trail am Stück - ins Tal (heißt so, weil er in Bassura endet) genießen konnten, erklärte sich Siggi bereit, den Bus zurück zum Quartier zu fahren. :

In Bassura trafen wir auf Siggi, und gemeinsam sind wir dann zum letzten Mal unsere Auffahrt von Ponte Marmora bis Vernetti hochgefahren, kaum zu glauben, dass inzwischen eine Woche vergangen war, seit wir diese Strecke das erste Mal fuhren.

Tag 8: Samstag, 30. Juni 2007

Wir wussten, irgendwann kommt der Tag Abreise – heute war es soweit.

Morgens um sieben musste alles gepackt sein, das Frühstück wurde vorgezogen und es ging wieder auf den weiten Weg Richtung Heimat. Wir nahmen Tamara mit in die Schweiz und setzten sie mit ihrem Fahrrad und einer Unmenge Gepäck an einem Bahnhof ab, von dem Sie gut nach Zürich zurückfahren konnte.

Abends gegen 18.00 Uhr kamen wir wieder in Stöckels an.

Nach einem einzigartigen Trip und Radfahren pur waren wir wieder zu Hause und tragen die Erinnerung in uns, die leider auch mit der Zeit etwas abnimmt – vielleicht trägt dieser Bericht dazu bei, diese etwas länger zu erhalten, bzw. andere zum Nachmachen anzuregen.

 

 

P.S.: Ich vergaß ganz zu erwähnen: es hat kein einziges Mal geregnet – ja, wenn Engel reisen!

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