Der Ötztaler Radmarathon 2012

Für acht Hobbyradler (Helmut Gerhold, Manfred Müller, Andreas Remmert Werner Spahn, Arno Staubach, Holger Struwe und Tobias Wischermann) hat sich ein Traum erfüllt - die erfolgreiche Absolvierung des "Ötztaler Radmarathon".

 

 

Er gilt als das Non-Plus-Ultra der Szene und wird sogar mit der Stellung des New York-Laufmarathons bzw. des Ironman Triathlon Hawaii in Verbindung gebracht. 1982 als kleine Sportveranstaltung ins Leben gerufen, ist er inzwischen im 31.Jahr zum Kultstatus avanciert, an dem auch in diesem Jahr wieder Radsportler aus 26 Nationen teilgenommen haben.

 

 

Als den Hobbyradlern vor vielen jahren die ersten Hinweise über diesen Marathon ins Auge fielen, waren sie der Meinung, dass die Teilnahme an einer solchen Herausforderung immer ein Traum bleiben würde. Nach vielen Trainingskilometern, einiger Zeit und etwas Glück wurde aus dem Traum ein realistisches Ziel. Durch Losglück gehörten sie zu den 4.000 Startern der über 20.000 Bewerber. Andreas Remmert und Werner Spahn hatten bereits 2009 an diesem Event teilgenommen.

Von der Ötztaler Gletschwelt ging die Tour über die Tiroler Berge durch die Weinberge Südtirols zurück in das Ötztal. Vier Pässe warteten also auf die Sportler: Kühtai 2.020m; Brennerpass 1.377m; Jaufenpass 2.090m und das Timmelsjoch mit 2509m - oder anders ausgedrückt: 5500 Höhenmeter verteilt auf 238 Kilometer.

Einige hatten sich vorgenommen, die Leistung zum letzten Mal noch zu steigern, für andere war dabei sein und erfolgreich in der vorgegebenen Zeit ans Ziel zu gelangen der selbstgesteckte Anspruch.

Natürlich spielte neben dem Trainingsstand das Wetter eine ganz besondere Rolle, dies war den Teilnehmern bewusst. Nach 3 wirklich schönen und heißen Wochen in Osthessen war für dieses Wochende in Tirol eher kühles und regnerisches Wetter angesagt (Temperaturen unter 20 Grad mit einer Regenwahrscheinlichkeit von über 70%). - somit musste bezüglich Kleidung alles vorbereitet sein. Die Temperaturen morgens um 6.45 Uhr lagen bei ca.5 Grad Celsius und da von der Startaufstellung bis zum Start einige Zeit verging, war warmes Anziehen Pflicht (Arm- und Beinschutz, Baumwollhandschuhe und auch Regenschutz für Füße und Körper.

 

     

 

Die Streckenführung und das Profil mit den Maximalsteigungen an den jeweiligen Pässen war durch mentale Vorbereitung im Hirn engrammiert.

Da alle die Anreise bereits am Freitag eingeplant hatten, konnte man sich vor Ort ausreichend akklimatisieren und viele Strategiegespräche mit Leidensgenossen führen, bevor dann am Sonntag, den 26.August morgens um 6.45 Uhr der Startschuss zu dieser 31.Ausgabe des Ötztaler Radmarathon fallen sollte.

Nach kurzer Nacht in der Herberge hieß es morgens um 4.30 Uhr aufstehen. Um 5.00 Uhr gab es Frühstück, aber so richtig Hunger hatte man um diese Zeit noch nicht. Dennoch musste natürlich etwas gegessen werden, denn der Tag sollte lang werden.

Alle acht Hobbaradler waren so gegen 6.00 Uhr im Startbereich und merkten, dass vor ihnen schon einige Hundert der 4000 Gesamtteilnehmer ihre Startposition gefunden hatten - die Startregel lautete: wer zuerst kommt, bekommt den besten Startplatz direkt hinter dem Startblock der 500 Elitefahrer, in deren Reihen neben dem mehrfachen Tour de France-Sieger Jan Ulrich auch Jörg Ludewig und Frank Wörndl (Ex-Slalom-Weltmeister) ihren Platz gefunden haben. Wem es gelingt, das Rennen in weniger als 8:30 Stunden zu beenden, der hat für das nächste Jahr Hoffnung, zu diesen total Ambitionierten zu gehören - dies war für die acht Osthessen allerdings von untergeordneter Bedeutung.

 

 

Endlich ertönte der Startschuss, doch bis es für uns losging, dauerte es aufgrund der vielen Starter noch viele lange Minuten. Nach 30 Minuten leicht bergab kam der erste Anstieg. Anders als bei gewohnten Radtouren musste hier jeder seinen Rhythmus finden und man konnte sich nicht gut auf andere einstellen, die einem ansonsten als gute Radpartner vertraut waren.

 

 

Bei den annähernd unendlichen Anstiegen und auch den rasanten Abfahrten war man auf sich selbst angewiesen, um auch nach 200 Kilometern noch einige "Körner" für die restlichen Anstrengungen parat zu haben. So trennten sich auch spätestens hier an dieser Rampe des Kühtai-Passes vorübergehend die Wege der Radler.

Nach gut 2 Stunden also war der Kühtai-Gipfel erreicht und nach kurzer Verpflegung begann die rasante Abfahrt nach Innsbruck. Gute Fahrer erreichen hier Spitzengeschwindigkeiten von 100km/h und mehr. In Innsbruck war es dann doch wichtig, sich einer passenden Gruppe anzuschließen, um im Windschatten den relativ flachen Brenner hinaufzujagen. Szenekenner wissen, der "Ötztaler" beginnt erst richtig auf dem Brenner, denn nun kommt noch der Jaufenpass mit einer Höhendifferenz von 1130 Metern und das Timmelsjoch mit nochmals zusätzlichen 1759 Metern Anstieg.

Der echte Hammer kam wie erwartet zum Schluss: das Timmelsjoch. Nach gefährlicher Abfahrt startete man unten in St.Leonhard auf 750m und muss auf 2500m hinauffahren, und das alles nach nereits 180 gefahrenen Kilometern und bereits mehr als 3000 Höhenmetern in den Beinen.

 

Die letzte Verpflegung dann auf einer Höhe von ca. 2000 Metern erschien wie ein Schlaraffenland. Auf den verbleibenden 40 Kilometern und 700 Höhenmetern war man der Überzeugung, dass nichts mehr geht, doch irgendwann kam der erwartete Tunnel, der den Gipfel des Timmelsjochs ankündigte, nun war klar: bald ist es geschafft.

 

 

So gegen 18.00 Uhr war es dann auch vollbracht, nach dem Gipfel des Timmelsjochs folgte noch ein bekannter und eingeplanter Gegenanstieg.

Das Gefühl dann am Ziel lässt sich beschreiben als eine Mischung aus Glück und Überanstrengung - immerhin wird man hier von ca.4.000 Zuschauern erwartet und gefeiert. Die Grenzen zwischen Alptraum und Traumtour waren wieder erkennbar und wir genossen den Abend in Sölden bei bester Verpflegung und toller internationaler Gesellschaft. Die Abreise erfolgte dann am Montag in aller Ruhe.

 

 

Am Ende konnten wir bilanzieren, dass der schnellste Hobbyradler, Tobias Wischermannm, das Ziel in 9 Stunden und 15 Minuten erreichte, währenddessen andere (Helmut Gerhold) 12 Stunden und 20 Minuten bis zum Zieleinlauf in Sölden benötigten.

Ein Traum hat sich erfüllt, von dem wir noch lange erzählen werden.

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