Radtour durch die Pyrenäen 2010

Vom Atlantic zum Mittelmeer über 20 Col´s.

 

Teilnehmer:

  • Helmut Gerhold
  • Manfred Müller
  • Gerhard Klein (Begleitfahrzeug)

 

Anreise: Freitag 16.07.2010

Um 18:00 Uhr holen wir Gerhard in Sinntal-Jossa ab und machen uns auf die Reise nach Hendaye. Die Autobahn ist frei, wir kommen auf unserer Fahrt über Saarbrücken, Paris, Bordeaux, gut voran.

 

Samstag 17.07.2010

Am Atlantik fängt es an zu regnen. Als wir um 8:00 Uhr in Hendaye ankommen schüttet es nur so und die Wolken hängen ganz tief. Wir sind ein wenig enttäuscht, wollten wir uns doch nach der Ankunft am Strand ausruhen, bevor dann am Sonntag die Radtour beginnen soll. Kurz entschlossen fahren wir mit dem Auto ein paar Kilometer ins Hinderland und mieten uns in dem kleinen Hotel La Rhune in Ascain ein. Wir kaufen uns am gegenüberliegenden Markt Wurst und Weißbrot, (die Salamiähnliche Wurst könnte von einer Ziege, Schaf oder auch von einem Esel gewesen sein, richt gewöhnungsbedürftig schmeckt aber gut) setzen uns aufs Hotelzimmer und lassen uns das Ganze mit unserem mitgebrachten Büchsenbier schmecken. Anschließend ist für Helmut und mich Siesta angesagt. Gerhard erkundet den kleinen Ort am Fuße der Pyrenäen.

 

1. Etappe Samstag 17.07.2010 Hendaye - Ascain

Am Nachmittag wird das Wetter besser und wir beschließen zurück zum Atlantik zu fahren um dort unsere Tour mit einer kleinen Etappe bis zu unserem Hotel zu beginnen. Wir starten unsere Tour um 16:30 Uhr in Hendaye. Die Fahrt geht auf und ab an der felsigen wunderschönen Atlantikküsten entlang und führt dann landeinwärts. Immerhin kommen wir auf 20 km und ca. 220 hm. Am Nachmittag und Abend trinken wir noch ein paar Bierchen und stärken uns für den nächsten Tag im schönen Biergarten des zwei Sterne Hotel.

Tagesergebnis: 20 km 220 hm 1:10 Std, Fahrzeit

 

2. Etappe Sonntag 18.07.2010 Ascain - Gurmencon

Gut geschlafen aber nach einem spärlichen Frühstück, (in den kommenden Tagen stellt sich heraus, dass das Frühstück in den Pyrenäen noch spärlicher ausfällt) machen wir uns um 9:15 auf die Reise. Ortsausgang von Ascain erwartet uns gleich der Col de St.-Ignace. Er ist mit seinen 169 m noch keine Herausforderung für uns, das sind wir von der Rhön gewohnt. Am Aufstieg kommt uns eine große Radgruppe entgegen. Heute am Sonntag sind viele Radfahren unterwegs. Oben auf dem Pass sehen wir wieder die Leute von der Bustour die sich mit uns am Frühstücksbuffet gedrängt haben. Sie wollen mit der Zahnradbahn auf den Berg La Rhune. Hier sehen die Berge noch wie grüne Kuppen aus. Auf der Abfahrt hinunter in das Örtchen Sare begleitet uns ein Wildwasserbach auf dem Rafftingboote paddeln. Wir gelangen zur spanischen Grenze und fahren weiter über einen kleinen Pass der Col de Pinodeila (176m). Wir kommen durch sehr altertümlichen und schön klingenden Orte wie Espelette, Itxassou, St.- Martin-d Arrossa, St.-Jean-Pied-de Port. Hier bewundern wir einen Mann, der mit einer Motorsäge Kunstwerke aus Baumstämmen schnitzt. Nach dem Ort Lacarre erreichen wir den Col d'Osquich (500 m, ca. 8%). Hier müssen wir den Höhenunterschied von knapp 400 hm überwinden. Oben hat Gerhard schon ein kleines Lokal ausgemacht mit frischen Bier und gutem Ausblick. Am frühen Nachmittag treffen wir in Gurmencon ein. Unser kleines Hotel, welches Gerhard ausfindig gemacht hat liegt direkt an der Straße. Im Innenhof des Hotels lassen wir uns das kühle Bier schmecken. Am Abend werden wir mit einem wohlschmeckendem "Drei Gänge Menü" verwöhnt.

Tagesergebnis: 148 km 1990 hm 6:20 Std. Fahrzeit

 

3. Etappe Montag 19.07.2010 Gurmencon - Tourmalet

Heute stehen die berühmten Pässe der Pyrenäen auf dem Programm und das bei herrlichem Wetter. Die flache Strecke bis Escot ist schnell gefahren, aber dann kommen wir zu der ersten ernsthaften Herausforderung. Es geht etwa 15 km bis 13% steil bergauf zum Col de Marie Blanque (1.035 m). Ein schöner, kleiner Pass, der auch häufig von der Tour de France beradelt wird.

Auf der Abfahrt nach Biell und der flachen Strecke nach Laruns können wir uns erholen, bevor der Anstieg zum Col d'Aubisque (1.709 m) beginnt, der teilweise eine Steigung von 13% aufweist. Oben auf dem Berg haben sich schon die Tour de France Begeisterten breit gemacht und die Straßen mit Wohnwagen belagert. Das scheint auch die Esel die hier oben leben zu verwirren.

Nach einer kurzen Abfahrt durch einen in den Felsen geschlagenen Tunnel steigt die Straße zum 1474 m hohen Col du Soulor an. Dann geht es bergab nach Argelès-Gazost. Nun steht der legendäre Tourmalet auf dem Programm, ein Klassiker des Radsports, ein Berg der (der höchsten Kategorie) mit Steigungen bis zu 17%. Jetzt wissen wir auch, warum die Fahrer der Tour de France einen riesigen Respekt vor diesem Gipfel haben und dieser auch der König der Pyrenäen genannt wird. Der Tourmalet ist mit 2115 m der höchste Punkt unserer Pyrenäentour, insgesamt mussten wir von unserem Ausgangspunkt in Argelès-Gazost bis zum Tourmalet 1850 Höhenmeter und ca. 20 Kilometer Fahrtstrecke überwinden. Dazu hatten wir noch Temperaturen von über 30%. Da kamen uns die kleinen Bächchen, die aus dem Berg rieselten gerade recht um uns zu erfrischen. Die Belagerung des Passes durch die Tour de France Fans nahm von Kilometer zu Kilometer zu. Die auf den Straßen aufgemalten Namen der Tour de France-Helden vermittelten auch uns ein wenig Touratmosphäre. Von Gerhard erfuhren wir, dass der Pass schon für das bevorstehende Spektakel gesperrt ist und wir unser Etappe ca. 3 Kilometer vor dem Gipfel beenden müssen. Gerhard hat schon ein Platz mit grandioser Aussicht auf die umliegenden Berge u. a. auf den Pic du Midi ausgesucht auf dem wir unser Zelt aufschlagen. Duschen sind zwar nicht vorhanden, aber es gibt eine Stadion an der wir uns Essen und Bier versorgen können.

Tagesergebnis: 120 km 3800hm 8:10 Std. Fahrzeit

 

Ruhetag Dienstag 20.07.2010 Ankunft der Tour de France am Tourmalet

100 Jahre Pyrenäen-Jubiläum bei der Tour de France das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bei wunderschönem sommerlichem Wetter warteten wir auf die Profi-Kollegen auf der Spitze des Tourmalet. Wir tauchten in das farbenfrohe, stimmungsvolle Treiben der Tour de France. Wir konnten die Renn-Profis gut beobachtet und teilweise erkannt. Es war schon ein wenig ernüchternd zu sehne, dass es möglich sein kann, solche Berge mit im Vergleich zu uns doppelter Geschwindigkeit zu meistern.

 

4. Etappe Mittwoch 21.07.2010 Tourmalet - St. Girons

In der Nacht ist ein heftiges Gewitter über die Berge gezogen und es hat mächtig abgekühlt. Unser Zelt hat aber standgehalten und es ist alles trocken geblieben. Wir sind nicht ganz so ausgeschlafen und fühlen uns nicht so frisch. Aber wir müssen ja nur noch die letzten dreitausend Meter zum höchsten Pass dieser Tour erkämpfen. Hier kommt es zu einer Steigung von etwa 18%.

Nach einer Verschnaufpause am Pass und einer Abfahrt von 17 Kilometern Länge erreichen wir den Wintersportort St. Marie-de-Campan. Hier ist vor lauter Wohnmobilen und Party kaum ein Durchkommen. Nun steht der Col d'Aspin (1489)

 mit 9 km langem Anstieg und der Col de Peyresourde (1563), auch berühmtberüchtigter Pässe der Tour de France, auf dem Programm. Begleitet werden wir bis auf dem Gipfel von kalten Nebelschwaden, die auf dem Peyresourde zu Regen übergehen. Auf dieser Strecke haben wir Vater und Sohn aus Bochold kennengelernt mit denen wir uns austauschen und unsere Kräfte messen. Das gab etwas Abwechselung bei diesem kühlen Nass. Die Abfahrt nach St.-Beat können wir auf Grund der Nässe und Kälte nicht richtig genießen. Wir fahren noch über zwei kleine Pässe den Col des Ares (797 m) und den Col de Buret (599m) die auch mit einem Nebelgürtel umzogen sind. Am Nachmittag ging es dann beim Hochfahren des Col de Portet d'Aspet (1069) am Denkmal von Fabio Carsatelli vorbei. Carsatelli, Olympiasieger 1992, war hier 1995 während der Tour de France tödlich verunglückt. Insgesamt sind die Tage unserer Tour komplett mit Radfahren ausgefüllt. Zwei kurze Pausen zur Ess- und Trinkverpflegung ist alles was zur Regeneration am Tag verbleibt. An diesem Abend treffen wir erst spät, so gegen 19:45 Uhr, an unserem Etappenziel in St-Girons ein. Gott sei Dank hat Gerhard wieder eine schöne Bleibe organisiert wo wir uns aufwärmen und verpflegen können. War nach den zwei Nächten im Zelt und nach der kühlen und nassen Fahrt auch dringend erforderlich.

Tagesergebnis: 167 km 2777 hm 7:40 Std. Fahrzeit

 

5. Etappe Donnerstag 22.07.2010 St. Girons - Ax-les-Thermes

Der Blick aus dem Hotelzimmer verheißt nichts gutes, es regnet wieder heftig. Um 11:00 Uhr entschließen wir uns trotz Regen loszufahren. Nach ein paar Kilometern Richtung Massat, kommen wir an einer schön gelegenen und auf Radfahrerbedürfnisse hergerichteten Pension vorbei. Die Eingangstore bestehen aus zwei alten Fahrrädern. Der Wirt zeigt uns stolz das ganze Haus. Hinter Massat geht es wieder bergauf, über den Col du Four (840m) und den den Col des Caougnous (947 m) zum Col de Port (1250). Der Col des Caougnous ist auf der Strecke hoch zum Col de Port kein wirklicher Paß. Es sind keine schweren Pässe. Die Steigung liegt durchschnittlich bei 5% Steigung auf 12 km. Lediglich vor dem Col des Caougnous gibt es einen Abschnitt mit 8 %. Nahe der Passhöhe des Col de Port liegt ein Gasthaus mit Terrasse, die zum Verweilen einlädt. Da es aber weiter regnet und wir klitschnass sind machen wir uns gleich an die Abfahrt nach Ax-les-Thermes. Wir brechen hier die Etappe ab weil wir ziemlich durchgefroren sind und eine warme Dusche brauchen. Am späten Nachmittag hellt sich der Himmel auf und die Sonne lässt sich wieder blicken.

Tagesergebnis: 88 km 1440 hm 4:10 Std. Fahrzeit

 

6. Etappe Freitag 23.07.2010 Ax-les-Thermes - Cerbere

Heute haben wir viel vor. Wir wollen es bis zum Mittelmeer schaffen. Der Himmel ist leicht bewölkt aber der Regen hat nachgelassen das Wetter wird zu sehendlich besser. Unser Frühstück im Hotel müssen wir uns selbst organisieren, da sich anscheinend niemand zuständig fühlt. Los geht es so gegen 8:30 Uhr. Zunächst an der Grenze von Andorra vorbei und dann beginnt der 25 Kilometer lange Anstieg zum Col du Puymorens auf 1915 m Höhe. Auf dem Puymorens ist es noch recht kühl, aber die Wolkendecke wird immer dünner.

Die Abfahrt nach Bourg-Madamme genießen wir und belohnen uns mit einem Croissant und Kaffee. Dann geht es terrassenförmig bergauf, über den Pass Col Llus, Col Rigat, Col de La Perch zum Mont-Louis (1579). Es wird wärmer, und wir freuen uns auf die lange Abfahrt zum Mittelmeer. Es geht jetzt fasst 100 Kilometer bergab. Nach ca. 20 Kilometer kommen wir nach Prades. Die Straße ist hier ziemlich breit und gut gefahren. Hinter Prades wird die Straße schmaler und sie schlängelt sich zwischen gigantischen Felsen hindurch. Wir verringern unser Tempo um diese schöne Landschaft aufnehmen zu können. Nun hat auch die Sonne mit uns ein einsehen und lacht uns entgegen. Die ersten Blicke auf das Mittelmeer lassen dann den Puls wieder höher schlagen.

Bis zu unserem Zielpunkt Cerbère, kurz vor der spanischen Grenze gelegen, sind es aber noch ein paar Buchten und Anstiege zu bewältigen, die wir aber noch locker nehmen und erreichen unser Ziel geben 18:00 Uhr. Kurz vor Cerbère wartet Gerhard auf uns und wir beschließen in dem kleinen Grenzörtchen Portbou (auf spanischer Seite) unsere Pyrenäentour ausklingen zu lassen. Am Abend stoßen wir auf diese Leistung an und lassen es uns bei einer spanischen Paella richtig gut gehen und lassen die Strapazen und Eindrücke der letzten Tage Revue passieren.

Tagesergebnis: 202 km 2660 hm 8:20 Std. Fahrzeit

 

Gesamtergebnis: 745 km 12887 hm 35:50 Std. Fahrzeit

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